Zur Vorstellung der Rhythmologie, des Urtaktes
Im Inneren eines ungeheuer "schweren Haufens" aufeinander gepackter Atomkerne ist unter dem Einfluß der unzerstörbaren Schwerkraft ein Druckanstieg und an einem kritischen Punkt eine Wiedererhitzung mit anschließender Explosion, dem Urknall, vorstellbar, die mit dem Wiederauseinandertreten der Atomkerne zur Materiebildung des neuen Kosmos führt. Unsere heutige physikalische Vorstellungen legen die Annahme nahe, daß im Urknall während einer Milliardstel Sekunde eine völlig gleichförmige elektromagnetische Schwingung zwischen den Atomkernen entsteht. Diese Vorstellung stimmt mit der heute wissenschaftlich kaum mehr bestrittenen Urknall-Theorie der Materiebildung überein. Diese wird als Folge der Sprengung des Atomkernhaufens verstanden, der übrig geblieben ist von einem vorhergehenden Kosmos nach dessen totalem Energieverlust im Wärmetod und dem dadurch erfolgten Zusammenbruch der Gesamtmaterie. Zwar sind wir nicht in der Lage, hierüber schon physikalische Aussagen machen zu können. Vorläufig bewegt sich die Nuklearforschung noch in einer weit darüber liegenden, erheblich komplexeren Größenordnung. Experimentell wird sich der energetische Anstoß, dieser "Urtakt", wohl kaum jemals wiederholen lassen. Denn abgesehen davon, daß er sich in Millionsteln einer Sekunde mit einer Temperaturentwicklung von mehreren Milliarden Grad Celsius vollzogen hat, handelt es sich bei diesen subatomaren Vorgängen um eine Dimension, die unterhalb jeder meßtechnischen Erfaßbarkeit liegt. Für unsere erkenntniskritischen Überlegungen genügt es, sich die vom Urtakt ausgehende Materieentstehung in allergröbsten Zügen als eine Kette von Überlagerungsvorgängen vorzustellen. Das bedeutet, daß theoretisch alle Stoffe des Kosmos in ihren wechselseitigen Überlagerungen rechnerisch aus dem Urtakt entwickelt werden könnten eine Aufgabe, die praktisch freilich von vornherein an ihrer Komplexität scheitern müßte. Doch kann man im Sinne dieser Vorstellung sagen: Der Urtakt tickt gleichmäßig in der Gesamtmaterie des Kosmos hinweg über alle Wandlungen von unbelebten und (schließlich mancherorts zu) belebten Stoffen. Nachdem in der theoretischen Physik das Atom als Forschungsobjekt nach einer Epoche des zunehmend einfacher erscheinenden Aufbaus nunmehr als ein immer komplizierter werdendes System entdeckt wird, ist anzunehmen, daß sich dieses Wechselspiel der Theorien noch öfter wiederholen dürfte.
Der Kosmos mit allen seinen "Dingen" befindet sich im Zustand einer im Urknall gründenden, unlösbaren gemeinsamen Präzisionsschwingung, so lange er bestehen wird. Diese, in einer der heutigen Forschung noch unzugänglichen Dimension der Genauigkeit sich abspielende, der Materie in den Raum bindende Schwingung läßt den Kosmos als einheitliches, energetisches Gefüge erscheinen. Diese Einheitlichkeit, wirkt sich am sichtbarsten an der lebenden Materie aus. Ihr Entstehen und Vergehen muß als beschleunigtes Rhythmenspiel verstanden werden, das in Zeugungs- und Vererbungsmechanismen abläuft, ohne jemals aus dem Urtakt zu fallen. Die Vorstellung, ausschließlich durch diesen unauflösbaren Rhythmenzusammenklang bestimmt zu sein, ist für den Ich-übersteigerten Abendländer schwer erträglich. Aus der Vorstellung seiner einmaligen Individualität bezieht er seinen abendländisch arteigenen, metaphysisch unklaren Begriff der "Willensfreiheit". Im Gegensatz dazu steht die kosmische Rhythmusvorstellung, die das zentripetale Weltbild des Ostens kennzeichnet. Sie führt zur Vorstellung der "Biorhythmen" und ihrer individuellen Handhabung.
Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis die Vorstellung der gemeinsamen Urschwingung aller Materie, unbelebter wie belebter, über unser vorstellungverdichtendes, richtungsweisendes Begriffsbild hinaus mit weiteren physikalischen Einzelheiten in dem abendländisch wissenschaftlichen Begriffskäfig eingebaut sein wird. Dazu bedarf es vor allem der theoretischen Durchdringung der Mikrowelt, deren tiefste Dimensionen uns im direkten Experiment meßtechnisch auf immer unzugänglich bleiben werden. Dagegen ist ihr zunehmend genauerer indirekter Nachweis durch vielseitig verzweigte Rhythmologien aus mikromolekularen und wohl auch noch subatomaren Schichten zu erwarten.
Es bedarf einer gewaltigen Forschungsarbeit, um die vielfachen Wandlungen der Materie durch wechselseitige Beeinflussungen von flüssigen, gasförmigen, und festen Stoffen auf die dabei stattfindenden subatomaren Schwingungsüberlagerungen zurückzuführen. Vermutlich wird erst auf diesen, die mikrokosmischen Zusammenhänge erschöpfenden Wege dem Übergang von unbelebter zu belebter Materie auf die Spur zu kommen sein. Da "Leben" Stoffwechsel und Vermehrungsfähigkeit bedeutet und die Entwicklung höheren Lebens an eine sauerstoffreiche Atmosphäre in Verbindung mit Wasserstoff zu Wasser bei ausreichenden Wärmeeinfluß gebunden ist, kann die Zeitspanne für das Auftreten belebter Materie auf einem Stern nur einen Bruchteil im Gesamtdasein einen Himmelskörpers ausmachen.
Es ist einer der wesentlichsten Irrtümer des derzeitigen abendländisch wissenschaftlichen Weltbildes, sich noch immer nicht von den materiellen und zeitlichen Maßstäben unserer Menschenwelt freimachen zu können. Dieses Kleben an den Analogievorstellungen zu seinem Leib verdunkelt dem Menschen die tatsächlichen zeitlichen und stofflichen Dimensionen, in denen sich kosmisches Geschehen vollzieht um vom energetischen Urbaustein des Urknalls zur Vielfalt der unbelebten Materie und von dort über Millionen von Arten von Lebewesen zur Nervenzelle zu gelangen, die schließlich in einem hochspezialisierten Zellverband als Gehirn psychische Leistungen vollbringt. Aus dem Materialbedarf bis zur Entwicklung höheren Lebens läßt sich schließen, daß diese wohl kaum auf planetarischen, d.h. eine Sonne umkreisenden Himmelskörpern stattfinden kann, die kleiner sind als die Erde.
Es ist klar, daß es sich bei den Begriffen von Rhythmologie und Urtakt mit ihren Überlagerungen um Dimensionen handelt, die den Wahrnehmungs- und Experimentiermöglichkeiten des Menschen unzugänglich bleiben.
Dennoch ermöglichen sie, eine Theorie der Urtakt-Überlagerungen zur einer Vielfalt von Materie zu entwickeln und alle ihre Wandlungen als Urtakt-Überlagerungen vorzustellen, die, wenn auch nur theoretisch, rechnerisch definierbar wären. Wenn auch auf Grund der ungeheuer langen Überlagerungsvorgänge eine solche Rechnung praktisch undurchführbar ist, benügt diese begriffliche Vorstellung, um daraus für die lebende Materie die Folgevorstellung einer Vererbungspräzision abzuleiten, wie sie für den Stand der derzeitigen Wisenschaft noch unmöglich erscheint. Auf Grund dieser Vorstellung gelingt es, den Begriff "Leben" in allen seinen Stufen und Folgeerscheinungen angefangen bei der einfachen physikalischen Reaktion der Stoffe bis zu ihrer instinkt- gefühls- und vernunftgesteuerten Verhaltensformen auf die gleiche Schwingungsvorstellung mit laufend entstehenden Überlagerungen zurückzuführen. Die Vorstellung eines Rhythmus der in der gesamten kosmischen Materie über alle Überlagerungen hinweg seit dem Urknall tickt, läßt alles Geschehen als einen homogenen, zeitlich gegliederten, rhythmischen Ablauf verstehen.
Vielleicht mutet diese Vorstellung heute immerhin bereits etwas weniger surreal an, seitdem Heisenberg von einer Unschärferelation sprach, hinter deren Mauer sich eine noch nicht abschätzbare Tiefe einer Ultramikrowelt versteckt. Sie könnte im Urtakt und seiner Präzisionsüberlagerungen wurzeln. Vom erkenntniskritischen Standpunkt des Verfassers aus ist anzunehmen, daß wir inmitten der Wahrnehmnungsmöglichketen, an die wir durch unsere Sinne gebunden sind, von einem Urtakt als Wurzel der Materie auf der mikrokosmischen Seite ebenso weit entfernt sind wie auf der makrokosmischen Seite vom Durchmesser des Kosmos von 20 Milliarden Lichtjahren.